Rezension zu „Die Konsequenz“ von Alexander Ziegler

Taschenbuch: 253 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (Mai 1978)
ISBN-13: 978-3596234073

Neu aufgelegt 2016!

 

 

 

 

Erschütternd und so schön

Inhalt:
Alexander Ziegler schildert in diesem autobiografischen Roman seine Erlebnisse als Homosexueller um ca. 1970. Wegen Verführung eines Minderjährigen im Knast, lernt er dort den 16-jährigen Thomas Manzoni kennen. Die beiden verlieben sich und sehnen den Tag von Alexanders Entlassung herbei, um endlich zusammen sein zu können. Doch Thomas’ Eltern lassen ihn in eine Erziehungsanstalt einweisen, wo der Jugendliche systematisch gebrochen wird.

Meine Meinung:
Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuchs war von 1872 bis 1994 in Kraft. Darin wird die Strafbarkeit sexueller Handlungen zwischen Männern geregelt. Auch in der Schweiz, wo dieser Roman spielt, waren homosexuelle Handlungen ein Verbrechen. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Aber Alexander Ziegler musste am eigenen Leib erfahren, wie die Gesellschaft damals mit Homosexuellen umging. Nach diesem Buch, das übrigens 1977 grandios verfilmt wurde, muss man sich allerdings fragen, wer hier die Verbrecher sind.

Diese „Geschichte“ ist einfach so erschütternd und dabei klasse geschrieben. Es beginnt damit, dass Thomas Manzini 1974 nach einem Selbstmordversuch in die Psychiatrie eingeliefert wird. Der behandelnde Arzt will von Alexander die Hintergründe wissen. Da dieser nicht in der Lage ist, spontan und frei darüber zu sprechen, nimmt er seine Geschichte auf neun Tonbänder auf. Zwischen den einzelnen Bändern gibt es kurze Kapitel, in denen Alexander Ziegler u.a. auch von anderen Fällen berichtet oder allgemein über Homosexualität, das Rechtswesen und die Gesellschaft spricht.

Es ist eine dramatische Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf. Die Geschichte einer Liebe, die so groß ist, dass einem die Tränen kommen. Selten habe ich eine so gefühlvolle romantische Erzählung gelesen. Man freut sich mit den beiden Protagonisten bei jedem heimlichen Wiedersehen, bei jeder zarten Berührung. Man bangt mit ihnen, ob sie entdeckt werden. Man wird wütend ob der riesigen Ungerechtigkeit, die ihnen widerfährt. Und man hofft bis zum Schluss, dass es ein Happy End geben wird.

Fazit:
Ein großartiger autobiografischer Roman, der einen erschüttert, aber auch viele unendlich schöne Szenen voller Liebe bietet. Ein Klassiker der LGBT*-Literatur. Ich kann nur empfehlen: Lest dieses Buch und/oder schaut euch den Film an.

★★★★★

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3 Gedanken zu “Rezension zu „Die Konsequenz“ von Alexander Ziegler

  1. Hast du die Neuauflage gelesen oder das Original? Ich bin mir nicht sicher, aber war der Junge im Original nicht erst 14? was ein ganz anderes Licht auf die Geschichte werfen würde. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch damals geliebt und der Film war sooooo schön.Einige Fernsehsender haben sich bei der Austrahlung ausgeklinkt.

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