Rezension zu „Eierlikörtage“ – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Piper (1. August 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3492058087
Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken – Het geheime dagboek van Hendrik Groen, 83¼ jaar
Preis: 22,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

 

Ein humorvoller und sarkastischer Blick ins Altenheim

Inhalt:
Hendrik Groen ist 83 1/4 Jahre alt, als er am 1. Januar 2013 beginnt, Tagebuch zu schreiben. Auch wenn die körperliche Fitness zu wünschen übrig lässt, geistig ist der Senior noch sehr beweglich. Das ewige Gejammer im Gemeinschaftssaal ist ihm ein Gräuel, und er versucht, diesem so oft wie möglich zu entkommen. Mit ein paar Freunden gründet er den Alt-aber-nicht-tot-Club, kurz Alanito. Die sechs mehr oder weniger rüstigen Alten organisieren Ausflüge, lernen Neues und lehnen sich schon auch mal gegen die Heimleitung auf. Gutes Essen, das ein oder andere Gläschen Wein oder Härteres darf dabei natürlich auch nicht fehlen. So erleben die Alanitos eine intensive Freundschaft und viele schöne Tage zusammen, während die übrigen Heimbewohner vor sich hin dämmern.

Meine Meinung:
Man munkelt, dass der Autor von „Eierlikörtage“ gut zwanzig Jahre jünger als sein Held ist. Hendrik Groen ist ein Pseudonym, das eigentlich nicht gelüftet werden sollte, denn der Autor hat offensichtlich Ahnung vom Leben im Altenheim, womöglich sogar in einem bestimmten Altenheim in Amsterdam-Noord. Aus dem Geschriebenen könnte man Rückschlüsse auf reale Personen ziehen, die als Vorlage dienten. Nicht jede dieser Personen dürfte davon begeistert sein, wie sie dargestellt wurde, denn manche kommen nicht wirklich gut weg. Da gibt es zum Beispiel nervige Mitbewohner oder die machthungrige Heimleiterin, die sich hinter Paragraphen verschanzt. Aber natürlich gibt es auch positive Darstellungen von Menschen.

Hendrik Groen kann man schnell ins Herz schließen. Er ist ein höflicher, adretter Senior, der sich ein Leben lang zurückgehalten hat. Doch nun findet er, dass es an der Zeit ist, mal etwas zu riskieren und zu tun, wozu er Lust hat. Dabei wirkt er sehr aufgeschlossen gegenüber Neuem, wird aber von seinem alternden Körper immer wieder in seine Schranken verwiesen.

In seinem Tagebuch findet man für fast jeden Tag des Jahres einen Eintrag, meist zwischen einer halben und zwei Seiten lang. Hier notiert Hendrik Groen seine Gedanken, erzählt von besonderen oder auch ganz alltäglichen Dingen im Altenheim und lässt uns damit an seinem Kampf gegen die Langeweile teilhaben. Mit viel Selbstironie und Sarkasmus betrachtet er dabei seine Umgebung und auch sich selbst, seinen Körper, der untenrum nicht mehr ganz dicht ist und dessen Aktionsradius immer mehr eingeschränkt wird.

Was sich vordergründig nett und manchmal witzig liest, enthält in der Tiefe jede Menge Gesellschaftskritik. Hendrik Groen hat mich manches Mal zum Schmunzeln gebracht. Seine trockenen Erzählungen wirken absolut authentisch. Ein reizender alter Herr, der mit seiner zuvorkommenden und zupackenden Art dazu anregt, darüber nachzudenken, wie man selbst wohl im Alter leben wird.

Die Reihe:
1. Eierlikörtage
2. Tanztee

★★★★☆

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