Rezension zu „Memory Wall“ von Anthony Doerr

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Gebundene Ausgabe: 135 Seiten
Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (10. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3406689611
Originaltitel: Memory Wall
Preis: 14,95 €
auch als E-Book erhÀltlich

Was sind wir ohne unsere Erinnerungen?

Die amerikanische Originalausgabe von „Memory Wall“ enthĂ€lt neben der titelgebenden Novelle noch fĂŒnf weitere kurze ErzĂ€hlungen. Schade, dass der deutsche Verlag diese nicht mit ĂŒbernommen hat.

DafĂŒr ist aber der Schutzumschlag sehr schön gelungen mit seiner seidig schimmernden OberflĂ€che – wie auch schon bei „Alles Licht, das wir nicht nicht sehen“ – und den goldenen Ammoniten. Diese passen sehr gut zum Inhalt, denn Fossilien spielen hier eine große Rolle.

Inhalt:
Die 74-jĂ€hrige Weiße Alma Konachek lebt in einem Vorort von Kapstadt. Sie leidet unter einer schnell fortschreitenden Demenz. Deshalb ist sie Patientin einer Klinik, die eine Methode entwickelt hat, Erinnerungen auf Kassetten zu speichern, sodass man sie immer wieder aufs Neue durchleben kann. Hinter einer von Almas Erinnerungen ist Roger her. Nacht fĂŒr Nacht bricht er zusammen mit dem Waisenjungen Luvo in Almas Haus ein, um an ihrer Erinnerungswand nach einem ganz speziellen Ereignis zu suchen. Denn Alma versucht, mit Hilfe von Notizen, Fotos und Erinnerungskassetten an der „Memory Wall“ ihr Leben unter Kontrolle zu halten. Seit ihr Mann vor vier Jahren gestorben ist, kĂŒmmert sich nur ihr schwarzer Diener Pheko um sie. Pheko lebt mit seinem fĂŒnfjĂ€hrigen Sohn Temba in einem Elendsviertel. Das Schicksal all dieser Personen ist auf gewisse Weise ĂŒber diese eine bestimmte Erinnerung verknĂŒpft.

Meine Meinung:
Sprachlich ist das vorliegende BĂŒchlein wirklich ein Kleinod. Anthony Doerr vermag mit wenigen Worten so viel auszudrĂŒcken – und das auf eine wunderschöne, poetische und bildhafte Weise.

„und leisen, raubtierhaften Autos“ (S. 11)
„Eine Bodendiele im Wohnzimmer quiekt.“ (S. 11)
„Die Uhr unten im Wohnzimmer tickt und tickt und lĂ€sst die Nacht verrinnen.“ (S. 13)

Diese AufzÀhlung könnte ich schier endlos fortsetzen.

Der Autor bringt uns mit seiner Geschichte aber auch zum Nachdenken, zum Beispiel darĂŒber, was von uns bleibt, wenn unsere Erinnerungen verloren sind. Vieles ist zwischen den Zeilen zu lesen, und man sollte auf keinen Fall hastig lesen, um möglichst viel von dem, was Doerr uns mitteilen möchte, zu erkennen.

Ich bin eigentlich kein Freund von so kurzen ErzĂ€hlungen – ich mag lieber lange, ausfĂŒhrliche Romane. Und so hĂ€tte ich mir auch hier zuweilen etwas detailliertere AusfĂŒhrungen gewĂŒnscht. Es gibt so vieles, was wegen der KĂŒrze des Buches nicht zur Sprache kommen konnte, aber doch interessant gewesen wĂ€re im Zusammenhang mit dieser Geschichte.

Auch schienen mir nicht alle Handlungsweisen der Protagonisten wahrscheinlich. Bei manchen Szenen hat mich das gestört, weil es fĂŒr mich so nicht passte, bei anderen Szenen fand ich es in Ordnung. Das ist sicher Ansichtssache und wird von jedem anders empfunden.

Neben dem Hauptthema Erinnerungen werden hier auch Themen wie VergĂ€nglichkeit, Arm und Reich, Schwarz und Weiß und noch weitere kurz angerissen.

Fazit:
Eine wunderbare ErzĂ€hlung, die mich berĂŒhrt hat, die mir wahrscheinlich aber aufgrund der KĂŒrze nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Es gĂ€be einfach noch so viel mehr zu sagen.

★★★★☆

Herzlichen Dank an C. H. Beck und Literaturschock fĂŒr das Rezensionsexemplar.

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4 Gedanken zu “Rezension zu „Memory Wall“ von Anthony Doerr

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