Rezension zu „Blaue Augen bleiben blau: Mein Leben“ von Balian Buschbaum

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Gebundene Ausgabe: 256 Seiten (vergriffen)
Verlag: Krüger Verlag; Auflage: 7 (29. November 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3810526199
auch als Taschenbuch und E-Book erhältlich

Macht Mut, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen

Der Autor:
Balian Buschbaum wird 1980 als Yvonne in Ulm geboren. Mehrfach erringt sie den Titel der deutschen Jugendmeisterin und wird 1999 erstmals deutsche Meisterin im Stabhochsprung. Bei den Europameisterschaften 1998 und 2002 gewinnt sie die Bronzemedaille. Yvonne Buschbaum gehört zu den großen Hoffnungen der deutschen Leichtathletik, als sie im November 2007 ihre bevorstehende Geschlechtsanpassung ankündigt. Für Balian, wie er sich fortan nennt, ist das der letzte konsequente Schritt auf dem Weg zu seiner wahren Identität, für den er sogar die Olympia-Teilnahme opfert. Nach der erfolgreichen Befreiung aus dem falschen Körper verabschiedet sich Buschbaum vom aktiven Sport und ist heute Stützpunkttrainer in Mainz. (Quelle: Amazon)

Meine Meinung:
Ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema Transidentität beschäftigt und mehrere Bücher dazu gelesen. Was mir bei der Autobiografie von Balian Buschbaum sehr gut gefallen hat, ist die offene Art, mit der er über sein bisheriges Leben spricht. Angefangen bei einer recht glücklichen Kindheit, obwohl ihm schon früh bewusst war, dass irgendetwas nicht stimmt – nur konnte er es damals nicht benennen. Er versucht, seine seelischen Leiden über den Sport zu kompensieren, sich auszutoben, was eine gewisse Zeitlang auch gelingt. Doch irgendwann ist klar, dass das nicht mehr ausreicht, dass er den letzten konsequenten Schritt gehen und sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen muss, um wirklich er selbst sein zu können. Dabei wirkt seine Erzählung sehr ehrlich, er beschönigt nichts, schreibt über schier unerträgliche Schmerzen, die er erdulden musste. Letztendlich scheint sich für ihn alles gelohnt zu haben. Dass er immer um sein echtes Selbst kämpfen musste, hat ihn sogar in seiner Persönlichkeit gestärkt.

Sein Buch richtet sich nicht nur an Menschen, die mit Transidentität in irgendeiner Form konfrontiert werden, sondern an alle, die in einer unhaltbaren Situation sind. Buschbaum ermutigt uns, uns nicht länger einengen und unterdrücken zu lassen, sondern unser Glück in die Hand zu nehmen und die Schranken zu durchbrechen.

Dabei liest sich die Autobiografie recht locker. Sie ist angereichert mit einigen Anekdoten, die einen auch mal schmunzeln lassen. Der Schreibstil lässt sich gut lesen, die Sprache ist einfach und eingängig. Zwischendurch schweift Buschbaum immer wieder in die Philosophie ab – auch das fand ich ganz nett.

Andere Leser bemängeln, dass das Thema der Geschlechtsanpassung erst nach über der Hälfte des Buches zur Sprache kommt. Ich persönlich finde das überhaupt nicht schlimm, denn es geht hier um den Menschen Balian Buschbaum mit seinem ganzen Wesen, seiner ganzen Vergangenheit, nicht nur um die Geschlechtsanpassung. Außerdem ist es eben ein langer Weg, bis man sich darüber im Klaren ist, was man braucht, was man tun muss, um glücklich leben zu können. Gut fand ich dann auch, dass bürokratische Hindernisse zur Sprache kommen bzw. das formale Prozedere der Geschlechtsanpassung, Personenstands- und Namensänderung.

Ich wünsche Balian Buschbaum und seinem Buch ganz viele Leser. Ein Blick über den eigenen Tellerrand lohnt sich für jeden!

★★★★★

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