Rezension zu „180° Meer“ von Sarah Kuttner

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Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (31. Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3100024947
Preis: 18,99 €

Bewegend, bedrückend, gut erzählt

Inhalt:
Jule, eine Frau Anfang dreißig, fühlt sich von ihren Eltern im Stich gelassen. Die Mutter ist depressiv und zieht auch Jule in Telefonaten immer nur runter. Der Vater hat die Familie früh verlassen und die damals noch kleinen Kinder bei der überforderten Mutter zurückgelassen. So musste Jule schon früh erwachsen werden und sich um ihren Bruder und ihre Mutter kümmern. All das hat aus Jule eine wütende Frau gemacht. Sie hat eine Wut auf die Mutter, auf den Vater, auf die ganze Welt – auch auf sich selbst. Geliebt fühlt sie sich nur von ihrem Freund Tim und ihrem jüngeren Bruder Jakob. Doch als es auch in der Beziehung zu Tim kriselt, flieht Jule zu Jakob nach London, nicht ahnend, dass sie damit nicht weit von ihrem Vater entfernt ist, den sie am liebsten nie wieder sehen würde. Doch der ist sterbenskrank, und so wagt Jule schließlich doch noch einen Versuch der Versöhnung.

Meine Meinung:
Sarah Kuttner dürfte vielen Menschen eher als Fernsehmoderatorin bekannt sein denn als Autorin. Denn ihre Karriere begann im Fernsehen. Mittlerweile hat sie mit „180° Meer“ bereits ihren dritten Roman veröffentlicht und gezeigt, dass sie nicht nur moderieren, sondern auch schreiben kann.

„180° Meer“ hat mich bewegt, konnte ich doch viele Emotionen und Verhaltensweisen der Protagonistin Jule sehr gut nachempfinden. Zwar ist mein Verhältnis zu meinen Eltern nicht so kompliziert wie Jules, aber die Autorin schafft es einfach, einem Jules Person nahezubringen und Verständnis für sie zu wecken. Die Erzählung in der Ich-Form trägt sicherlich stark dazu bei, dass man sich gut in Jule hineinversetzen kann. Man kommt dieser Figur beim Lesen dadurch ganz nahe, bekommt ihre Gefühle, Gedanken, Ängste, Verwirrungen hautnah mit.

„O. k. Ich bin erschöpft. Ich fühle mich diffus traurig und überfordert. Als würde ich von imaginären Massen bedrängt, und gleichzeitig fühle ich mich merkwürdig zurückgelassen. Ich habe außerdem ein permanentes Bedürfnis nach Meer.“ (S. 145)

Sehr gut hat es mir gefallen, dass hier nichts übers Knie gebrochen wird. Jule entwickelt sich langsam und ebenso langsam entwickeln sich auch ihre Beziehungen zu den Menschen (und einem Tier), die ihr wichtig sind. Das wirkt absolut authentisch.

Zwar war mir Jule nicht wirklich sympathisch, aber nach dem, was sie in ihrer Kindheit und Jugend schon mitgemacht hat, kann man durchaus verstehen, warum sie so verkorkst ist. Stellenweise hat mich das allerdings ziemlich heruntergezogen.

Fazit:
„180° Meer“ ist der Versuch einer jungen Frau, mit sich selbst und ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen. Sie als Leser dabei zu begleiten, kann ich allen empfehlen, die gerne mal über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen.

★★★★☆

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