Rezension zu „Geheimer Ort“ von Tana French

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Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 1 (29. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3596196142
Originaltitel: The Secret Place
Preis: 9,99 €

Langsam und tiefgründig, konnte mich aber enorm fesseln

Inhalt:
Ein Jahr ist es her, seit die Leiche von Christopher Harper im Park des Mädcheninternats St. Kilda gefunden wurde. Damals führten die Ermittlungen zu keinem Ergebnis. Nun scheint es neue Spuren zu geben. Die ruppige Detective Conway, die unter den Kollegen keinen leichten Stand hat, macht sich erneut auf die Suche nach dem Mörder. Ihr zur Seite steht Stephen Moran, den man zu den ungelösten Fällen abgeschoben hatte. Beide wittern hier ihre Chance, doch müssen sie erst einmal miteinander klarkommen.

Meine Meinung:
Ich habe von Tana French noch nichts gelesen. Deshalb kann ich den vorliegenden Roman nicht mit ihren anderen Werken vergleichen. Tatsache ist, es handelt sich hier nicht um einen atemberaubenden Thriller, sondern um einen Roman mit Kriminalfall. Ob man es nun als Kriminalroman oder als Entwicklungsroman bezeichnen will, empfinde ich als zweitrangig. Entwicklungsroman trifft insofern zu, als wir hier die Entwicklung von einigen Jugendlichen beobachten, ebenso wie in gewissem Maß die Entwicklung der beiden Detectives.

Schnell erkennen Conway und Moran, dass als Täter nur die Mitglieder von zwei Freundinnencliquen infrage kommen. Vier der etwa 16-jährigen Mädchen sind eine eingeschworene Gemeinschaft (im wahrsten Sinne des Wortes), die anderen werden von ihrer Anführerin dominiert. Beide Gruppen sind verfeindet. Was zuerst wie eine heile Welt erscheint, entpuppt sich immer mehr als ein Pulverfass mit enormer Sprengkraft.

Ein einziger Tag steht den Detectives zur Verfügung, um die Wahrheit aus den Mädchen herauszukitzeln. Hierbei erweist sich Ich-Erzähler Stephen Moran als sehr einfühlsam. Bei jedem der Mädchen erkennt er schnell, wie er sie zu nehmen hat, um den größtmöglichen Nutzen für die Ermittlungen zu erzielen. Dabei dürfen wir als Leser an seinen Gedanken und Überlegungen teilhaben und sie für nachvollziehbar und logisch empfinden.

In eingeschobenen Rückblenden erfährt der Leser, aber nicht die Ermittler, was in den Monaten vor und nach dem Mord geschehen ist, wie sich die Mädchen und auch das Opfer, ein Schüler des benachbarten Jungeninternats, entwickelt und verändert haben. Hier geht die Autorin sehr langsam, dafür aber auch sehr gründlich vor, wodurch der enorme Umfang von 704 Seiten zustande kommt. Sicher wird das dem ein oder anderen Leser zu viel oder auch zu langweilig sein. Mich hat der Roman mit seiner psycho- und soziologischen Betrachtung der einzelnen Charaktere schon nach wenigen Seiten so gefesselt, dass ich das Buch in nur zwei Tagen ausgelesen hatte.

★★★★★

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4 Gedanken zu “Rezension zu „Geheimer Ort“ von Tana French

  1. Danke!

    Ich werde die Autorin auf jeden Fall mal im Auge behalten. Ich kann ja verstehen, dass es dem ein oder anderen Leser zu lang ist, aber hier ist trotzdem kein Wort zu viel. Jedes ist ist notwendig, um diese Entwicklung der Charaktere sichtbar zu machen.

    Liebe Grüße
    Lilli

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