Rezension zu „Das gibts in keinem Russenfilm“ von Thomas Brussig

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Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 3 (12. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3100022981
Preis: 19,99 €

Was wäre, wenn?

Ich muss gestehen, ich habe mich vor dem Lesen nicht groß über dieses Buch informiert, auch nicht über den Autor, von dem ich bisher nichts kannte. Ich habe also ganz unbedarft angefangen zu lesen.

Aha, eine Autobiographie, locker und flott geschrieben, sehr unterhaltsam. Der Autor wuchs in der DDR auf und schildert seine Erlebnisse mit den dort gegebenen Zwängen und seine ungewollten Zusammenstöße mit der Obrigkeit. Seine ersten Versuche als Autor. Hm, die Rechtschreibreform scheint an ihm abgeprallt zu sein. Ständig dieses „daß“ und „mußte“ und andere Seltsamkeiten von vor der Reform. Aber okay. Weiterlesen …

Ähm, was? Wir sind mittlerweile schon in den 1990er Jahren angelangt, und Thomas Brussig darf nicht in den Westen ausreisen? 2000, und er bekommt immer noch Ärger mit der Stasi? Hier stimmt wohl etwas nicht!

Jetzt habe ich es kapiert. Es handelt sich bei diesem Roman um eine fiktive Autobiographie, in der Thomas Brussig sich selbst spielt, für die DDR aber ein Szenario entwickelt, das sie bis heute bestehen lässt. Eine Wiedervereinigung hat es nie gegeben. Und folglich auch keine Rechtschreibreform.

Eine tolle Idee! So hätte es sein können, wenn es nicht anders gekommen wäre. Mit viel Humor, Ironie und Sarkasmus entwirft Brussig sein Bild von einer parallelen Entwicklung der DDR. Er lässt jede Menge bekannte DDR-, aber auch BRD-Bürger auftreten, wie Egon Krenz, Sarah Wagenknecht, Wolfgang Schäuble, Gregor Gysi und Udo Lindenberg. Nicht alle kommen gut weg, und nicht immer ist ersichtlich, ob Brussig ihr Verhalten als positiv oder negativ ansieht. Seine Rundumhiebe sind auf jeden Fall genial. Dabei fürchte ich, dass mir viele Anspielungen entgangen sind, weil ich mich mit der Materie nicht wirklich auskenne.

Brussig schreibt eigentlich sehr kurzweilig, also unterhaltsam. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen eine straffere Erzählung gewünscht, da waren mir die Ereignisse dann doch zu lang ausgeführt. Insgesamt hat mir das Buch aber wirklich gut gefallen und bekommt gute vier Sterne von mir. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Brussig „Helden wie wir“, der im vorliegenden Roman immer wieder erwähnt wird und der sich glücklicherweise schon auf meinem SUB befindet.

★★★★☆

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