Rezension zu „Das Ende von Eddy“ von Édouard Louis

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Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 3 (12. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3100022776
Originaltitel: En finir avec Eddy Bellegueule
Preis: 18,99 €

Milieustudie in Romanform

Inhalt:
Eddy Bellegueule lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf im Norden Frankreichs. Hier regiert die Armut. Die Männer arbeiten in der Fabrik, die Frauen als Kassiererin oder Putzfrau, wenn sie überhaupt eine Arbeit haben. Ein Mann hat kräftig und trinkfest zu sein und darf sich nichts gefallen lassen, wenn er nicht zum Gespött der Leute werden will.

Schon früh bemerkt der kleine Eddy, dass er anders ist. Er spielt gerne mit Puppen und fühlt sich in Kleidern pudelwohl.  In der Schule und in der Familie wird er als Schwuchtel beschimpft, verhöhnt und geschlagen. Mit aller Macht versucht der Junge, so zu werden wie die anderen, um ihre Anerkennung zu gewinnen.

Meine Meinung:
„Das Ende von Eddy“ ist der Debütroman des jungen Autors Édouard Louis, 1992 als Eddy Bellegueule geboren, in den er seine eigene Lebensgeschichte einfließen lässt. Mit seiner präzisen, treffenden Sprache konnte er mich von der ersten Seite an fesseln. Es lässt sich sehr gut nachvollziehen, was der Protagonist Eddy durchmacht, wie er gedemütigt und ausgegrenzt wird und wie er dabei immer mehr zu sich selbst findet.

Eddy ist homosexuell und damit ein gefundenes Opfer in dieser Gesellschaft, in der es auch den anderen nicht gutgeht. Und wo es einem nicht gutgeht, sucht man sich ein Opfer, damit man sich selbst besser fühlen kann, damit man Macht ausüben kann. Und man sucht einen Sündenbock für sein eigenes Elend.

Erschreckend finde ich es, dass noch in der heutigen Zeit ein solcher Hass auf Homosexuelle besteht, aber auch auf Fremde. Alles was anders ist, steht im Verdacht, schlecht zu sein.

Mich hat Louis‘ exakte Beobachtungsgabe stark beeindruckt. Seine Figuren wirken sehr plastisch, selbst die Nebenfiguren. Man kann sich ein gutes Bild von ihnen machen.

Die Geschichte wird in der Ich-Form von Eddy erzählt. Er schaut dabei aus der Gegenwart zurück in die Vergangenheit. Viele Begebenheiten lässt er sich von der Familie erzählen, weil er sich selbst nicht mehr daran erinnern kann oder nicht dabei war. Diese sind nicht durch Anführungszeichen als wörtliche Rede gekennzeichnet, sondern durch Kursivschrift, was für mich hier sehr gut passte, da es oft nur kurze Einschübe, Zitate der jeweiligen Person sind.

Mit 206 Seiten ist der Roman zwar eher kurz und damit auch schnell gelesen, doch im Prinzip ist alles gesagt. Insofern ist das absolut in Ordnung.

★★★★★

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