Rezension zu „Liebe ist was für Idioten. Wie mich“ von Sabine Schoder

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Taschenbuch: 352 Seiten
Preis: 12,99 €
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (23. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3733501518
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

Mehr Sein als Schein – ein echtes Highlight!

Inhalt:
Wenn Viki einen Menschen auf den Tod nicht ausstehen kann, so ist es der Sänger der Schülerband Major Malfunction. Wie kommt es dann, dass sie am Tag nach ihrem 17. Geburtstag ausgerechnet in seinem Bett aufwacht? Und wie soll sie damit umgehen, dass Jay sie ein paar Tage später anruft und um ein Treffen bittet? Hat sie mit ihrer toten Mutter und ihrem alkoholkranken Vater nicht schon genug Probleme am Hals?

Meine Meinung:
Als ich den Titel und das Cover zum ersten Mal gesehen und den Klappentext gelesen habe, dachte ich, das ist so eine locker-lustige Liebesgeschichte für Teenies. Weit gefehlt! Hier trügt der Schein, denn in diesem Buch steckt so viel mehr. Es stimmt schon, die Geschichte ist lustig, zumindest stellenweise. Es ist auch eine Liebesgeschichte, und Teenies können sie gut lesen. Aber auch Erwachsene werden Gefallen daran finden. Aber es ist eben nicht nur eine Liebesgeschichte. Hier geht es noch um ganz andere Dinge, existenzielle Dinge. Das macht diesen Roman so tiefgründig und hundertprozentig lesenswert. Hier werden viele verschiedene Themen angeschnitten, mit denen Jugendliche konfrontiert werden können. Dabei wirkt nichts aufgesetzt, sondern absolut realistisch. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ganz zaghaft und ist kein bisschen kitschig.

Zuerst begeisterte mich vor allem der humorvolle Schreibstil. Auch die Protagonisten sind toll ausgearbeitet. Viki erzählt in der Ich-Form im Präsens. Dadurch ist man ganz nah an ihr dran, erlebt ihre Gefühle und Gedanken hautnah mit. Sie ist wunderbar sarkastisch und hat eine herrlich große Klappe, die manchmal Töne ausspuckt, die Viki hinterher am liebsten wieder einsammeln würde. Sie tritt von einem Fettnäpfchen ins andere, ist aber eigentlich ein herzensguter Mensch. Man muss sie einfach mögen. Sie ist nicht perfekt, sondern macht immer wieder mal Fehler. Doch die verzeiht man ihr gerne, denn man leidet als Leser mit ihr mit. Man möchte ihr die Mutter ersetzen, die vor zehn Jahren gestorben ist, und sie vor dem ständig mies gelaunten Vater in Schutz nehmen. Doch Viki hat in ihrer schwierigen Vergangenheit eine enorme innere Stärke entwickelt, derer sie sich manchmal selbst nicht bewusst ist. Und sie hat eine wirklich allerbeste Freundin, Mel, die Viki so gut kennt, dass sie ihr nichts vormachen kann.

Manche Katastrophen beginnen unscheinbar. (S. 267)

Genauso ist es hier mit der Handlung. Erst lacht man sich halb tot, und irgendwann stellt man fest, dass die Stimmung sich fast unbemerkt gewandelt hat. Der Ton ist ernster, die Handlung schwieriger, bis sie schließlich am Schluss einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Trotzdem ziehen sich die humorvollen Dialoge und Vikis sarkastische und ironische Bemerkungen durch den ganzen Roman. Sabine Schoder versteht es, ihre Leser durch einen perfekten Spannungsbogen zu fesseln. Sie schickt uns auf eine Achterbahn der Gefühle. Ich habe laut gelacht, ich habe Rotz und Wasser geheult, ich habe mit und um die Protagonisten und ihre großartige Liebe gebangt und gehofft.

„Zurzeit läuft in meinem Leben alles schief. Du bist das einzig Positive.“
„Ich? Positiv? Du musst ziemlich verzweifelt sein.“
„Oder ziemlich verknallt.“ (S. 170f.)

Gibt es eine schönere Liebeserklärung? Oder tiefsinnigeren Humor? Ich fand’s einfach herrlich!

Dieses Buch ist wirklich ein Highlight. Unglaublich, dass es Sabine Schoders Debütroman ist! Für mich spielt es in einer Liga mit solchen Bestsellern wie „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green, wenn auch die Handlung nicht unbedingt vergleichbar ist.

Ich hätte zwar gerne noch ein paar Seiten mehr über Viki und Jay gelesen, einfach weil es so viel Spaß macht. Aber die Geschichte ist gut so, wie sie ist, eine runde Sache. Es ist alles gesagt, was gesagt werden muss. Man kann das Buch am Ende sehr zufrieden zuklappen und sich vielleicht schon mal vorsichtig auf ein neues Werk der Autorin freuen.

Fazit:
Dieser Roman paart schwarzen Humor mit buntem Leben, Verzweiflung mit Hoffnung, Tod mit Liebe. Er bietet die gesamte Bandbreite des Lebens eines Jugendlichen und treibt den Leser durch sämtliche Emotionen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung. Wer dieses Buch nicht liest, ist selbst schuld 😉

★★★★★

Vielen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar und an LovelyBooks für die Organisation einer Leserunde.

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5 Gedanken zu “Rezension zu „Liebe ist was für Idioten. Wie mich“ von Sabine Schoder

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