Rezension zu „Julischatten“ von Antje Babendererde

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Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Arena (1. Januar 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3401065892
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

Tiefgründig, fesselnd, emotional

Inhalt:
Sim(ona) ist eine mehr oder weniger typische Jugendliche. Nicht mehr Kind und noch nicht wirklich erwachsen, sucht sie ihren Platz im Leben. Dass dabei nicht alles problemlos abläuft, dürfte klar sein. Doch Sim versucht, ihre Probleme mit Alkohol zu lösen. Nach einer Alkoholvergiftung verbringt sie ihren 16. Geburtstag im Krankenhaus. Zur „Strafe“ muss sie die Sommerferien bei ihrer Tante Jo im Indianerreservat Pine Ridge in South Dakota, USA, verbringen. Hier lernt sie die jungen Indianer Jimi Little Wolf und Lukas Brave kennen. Auf gewisse Weise fühlt Sim sich zu beiden hingezogen, doch bald muss sie sich entscheiden. Die Freundschaft der beiden Jungen wird auf eine harte Probe gestellt.

Meine Meinung:
Antje Babendererde hat im Sommer 2010 zwei Monate lang im Pine-Ridge-Reservat gelebt und recherchiert. Das merkt man. Der Hintergrund dieser Geschichte ist gut fundiert und man spürt auf jeder Seite das Herzblut der Autorin. Ich habe mich bisher eigentlich nicht so sehr für Indianer interessiert, aber Antje Babenderde konnte mich trotzdem absolut fesseln mit ihren Beschreibungen der kargen, aber doch wunderschönen Landschaft, der alltäglichen Probleme der Indianer, die zwangsweise in die Reservate verbannt wurden, wo sie entgegen ihrer eigentlichen Mentalität fast vor sich hin vegetieren und ihre Probleme ebenso wie Sim mit Alkohol oder Drogen verdrängen und ihrem Leben mit riskanten Mutproben einen Sinn geben wollen. Dies alles wirkt absolut authentisch.

Auch die Protagonisten kommen einem sehr lebensecht vor. Sim hatte in Deutschland ein mieses Erlebnis und muss erst mal wieder Vertrauen in einen Menschen fassen. Das ist gar nicht so einfach. Und Sim macht es ihren Mitmenschen auch nicht unbedingt leicht, sie zu mögen. Ihre Unsicherheit versteckt sie hinter einer schrillen Frisur und noch schrillerer Kleidung. Zum Glück ist sie bei Tante Jo gut aufgehoben, denn Jo macht keinen Druck, sondern lässt Sim ihren Weg alleine finden, ist aber immer für sie da. Eine tolle Frau!

Jimi und Lukas sind Hunka-Brüder – eingeschworene Freunde auf Leben und Tod. Doch als sich beide in Sim verlieben, gerät der Schwur ins Wanken. Beide Jungs ergänzen sich ganz wunderbar. Jimi ist mehr der Draufgänger, der Heißsporn, der Rebell, kümmert sich aber grandios um den blinden Lukas. Lukas dagegen ist ein besonnener Mensch, er fühlt sich den Traditionen der Indianer stark verpflichtet, er ist neben Tante Jo ein ruhender Pol in der Geschichte.

Die Charaktere sind vielschichtig und sehr tiefgründig. Ihre Verhaltensweisen konnte ich alle problemlos nachvollziehen, was nicht heißt, dass ich sie immer gut fand. Denn vor allem Sim und Jimi haben ihre Macken und tun Dinge, die nicht für sie gut sind, und manchmal auch nicht gut für andere. Doch warum sie so handeln, wird stets einleuchtend erklärt. Viele Dinge bringen einen als Leser zum Nachdenken.

Antje Babenderde schreibt sehr detailliert, ohne je langweilig zu werden. Größtenteils führt sie den Leser nah an Sim durch die Geschichte, ab und zu erleben wir auch andere Perspektiven. Dabei entstehen beim Lesen Bilder im Kopf und man sieht das Reservat und die Menschen darin förmlich vor sich. Die Beschreibungen sind so eindringlich, dass man sich am liebsten ins Flugzeug setzen würde, um sich persönlich vor Ort ein Bild zu machen.

Fazit:
Ein grandioser eindringlicher und emotionaler Roman für Leser ab ca. 14 Jahren.

★★★★★

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5 Gedanken zu “Rezension zu „Julischatten“ von Antje Babendererde

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