Rezension zu „Das Mädchen, das rückwärts ging“ von Kate Hamer

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Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Arche (1. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3716027240

Beklemmend gut erzählt

Inhalt:
Beth ist alleinerziehend, ihre achtjährige Tochter Carmel nicht ganz einfach. Bei einem Ausflug verschwindet Carmel in der Menschenmenge. Alles Suchen und Fragen hilft nichts, das Kind bleibt verschwunden. Auch die Bemühungen der Polizei sind erfolglos. Ein Albtraum jeder Mutter!

Meine Meinung:
Von der ersten Seite an konnte Kate Hamer mich mit ihrem eindringlichen Schreibstil packen. Schnell zeichnet sie ein detailliertes Bild von Carmel und Beth und ihrer Beziehung zueinander. Carmel ist ein bisschen frühreif, altklug, sehr intelligent, dann aber auch wieder verträumt und geistig abwesend. Man spürt, dass etwas Besonderes in dem Kind steckt.

Die Erzählperspektive wechselt nach jedem der sehr kurzen Kapitel. Beide erzählen in der Ich-Form, aber schon mit dem ersten Satz wird jeweils klar, wessen Kapitel es gerade ist. So kann man an den Gedanken und Gefühlen beider Protagonisten intensiv teilhaben. Dies ist insbesondere nach der Trennung der beiden von Bedeutung, denn als Leser wissen wir somit mehr als Beth oder Carmel.

Sehr authentisch stellt Hamer Beths Bemühen, Carmel zu finden bzw. den Verlust ihrer Tochter zu verarbeiten, dar.

„Sie wirkten irgendwie so, wie soll ich sagen? Normal. Angenehm normal. So wie ich wahrscheinlich nie wieder werden würde.“ (S. 316)

Auf der anderen Seite begleiten wir Carmel in ihrem neuen Leben, wo sie mit allen Mitteln versucht, am alten festzuhalten. So ist die starke Mutter-Tochter-Liebe zwischen ihnen ständig zu spüren.

„„Ich bin Carmel“, sagte ich. „Mehr nicht.““ (S. 262)

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen, doch das spirituelle Geschehen war mir einfach zu abstrus. Es wäre auch nicht nötig gewesen, man hätte die Geschichte auch mit einer realistischeren Handlung aufziehen können. Das ist schade, aber vielleicht ja auch nur mein Problem?

Trotz allem ist das Buch auf jeden Fall sehr lesenswert.

★★★★☆

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2 Gedanken zu “Rezension zu „Das Mädchen, das rückwärts ging“ von Kate Hamer

  1. Sehr gut begonnen, sehr schwach beendet kann ich nur sagen. Es kam mir so vor, als hätte die Autorin irgendwie nicht recht gewusst, wie sie den Roman zu einem

    Ende kriegt, nachdem sie auschweifend und abstrus über die Wunderheilungen geschwafelt hat. Niemals wird ganz klar, ob Carmel nun heilen kann oder nicht. Vieles ist total unglaubwürdig, beispielsweise, dass ein angeblich so kluges Mädchen alles schluckt – dass sie nicht zur Mutter darf, dass diese ohne sie beerdigt wird, dass der Vater niemals anruft. Und auch der Umstand, dass ein Heilsprediger aus den USA ausgerechnet auf sie verfällt wird dem Leser nicht erklärt. Woher er Geld für Hin- und Rückflug hatte, obwohl alle dann in bitterer Armut leben bleibt ebenso im Dunkeln.
    Nicht überzeugend im Ganzen

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  2. Hallo,
    ich muss gestehen, nach so langer Zeit kann ich mich an Einzelheiten nicht mehr gut erinnern. Aber dass Carmel das alles einigermaßen schluckt, schien mir schon glaubhaft. Sie ist ein Kind! Was weiß sie denn von Beerdigungen und wie die normalerweise ablaufen?
    Und wie ich ja geschrieben habe, war mir das mit den Wunderheilungen auch zu abstrus.
    Aber vom Erzählstil her fand ich es einfach packend.
    Liebe Grüße
    Lilli

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